Widerhaken

„Widerhaken“,
Performance von Sandy Bruer mit A. Timon Klopotek v. G.
Idee und Konzeption: Sandy Bruer und Jürgen Bernhard Kuck
Dauer: 4 Minuten
Ort: Malerkapelle am Elm in Königslutter
2016

Sandy Bruer thematisiert pathologische Traumata.

Für die Performance „Widerhaken“ haben sich Sandy Bruer und ihr Partner zwei Haken als temporäre Piercings in die Haut im oberen Bereich des Rückens in der Nähe der Schulterblätter stechen lassen und beide Haken mit einer Kettenschlaufe verbunden. In diese Schlaufe hat die Performerin eine sechs Meter lange Kette eingehakt.

Auf den Stufen zur ehemaligen Kanzel der Malerkapelle gehen beide Performer nackt aufeinander zu und umarmen sich als Paar. Dann kniet der Mann nieder, die Frau beugt sich über ihn und hakt ihre Kette zwischen seinen Schultern ein. Aneinander gekettet drehen sich beide zur Wand und präsentieren sich. Anschließend nehmen sie Abschied voneinander und gehen gegenläufig die Treppen hinab auseinander, bleiben aber durch die Kette verbunden.

Bruer transformiert aktuelle Praktiken subkultureller Körperkunst („Body-Modification“) in spirituelle Rituale, die aus christlichen Symbolzusammenhängen abgeleitet sind: Die Kanzel, von der das Wort Gottes verkündet wurde, wird jetzt zu einem Ort, an dem sich künstlerische Aktionen entfalten.

An die Stelle der abgerissenen Kanzel tritt ein Röhrenfernseher, auf dem eine Videoaufzeichnung der Performance in Endlosschleife gezeigt wird. An der Wand hinter den Treppen zur ehemaligen Kanzel hängen drei große Fotografien mit szenischen Varianten der Performance.

Imaginationsräume zu Themen wie Aufstieg und Abstieg, Vereinigung und Trennung, Liebe und Qual korrespondieren mir der archetypischen Nacktheit der Performer und der zeitlosen Gegenwart der Handlungsabläufe.

Die Grenzerfahrung einer unter die Haut gehenden Leidenschaft ermöglicht jene Erkenntnis, von der schon Giordano Bruno schreibt:

„Niemals möge es geschehen, dass ich über die Liebe klage, ohne die ich nicht glücklich sein will; mag es stimmen, dass ich wegen ihr mich qualvoll peinige, ich will nicht das nicht wollen, was zu mir gehört.“